Die Geschichte der Wismut endete nicht mit der Schließung der Schächte. Sie lebt weiter in Familienerzählungen, Vereinsheimen, Fußballstadien und den Erinnerungen der Menschen. Sie lebt in Landschaften, die sich verändert haben, in Biografien, die von Aufbruch und Verlust erzählen, und in den Fragen, die sich viele Menschen bis heute stellen: Was ist von dem geblieben, was unsere Region einst ausmachte? Und was können wir aus den Erfahrungen vergangener Umbrüche für die Herausforderungen der Gegenwart lernen?
Hier setzt das Projekt „Von Erzgebirgsstuben und Mundlöchern“ an. Es beschäftigt sich mit den Erfahrungen von Menschen, deren Leben durch Bergbau und Transformation geprägt wurde. Die Geschichte von Menschen, die für die SDAG Wismut arbeiteten, deren Angehörige und die der Menschen der Region, bildet dabei den roten Faden des Vorhabens. Über Jahrzehnte war der Uranbergbau Motor, Arbeitgeber und identitätsstiftendes Zentrum einer ganzen Region. Mit seinem Ende begann ein tiefgreifender Wandel, der weit über wirtschaftliche Veränderungen hinausging und bis heute nachwirkt.
Im Mittelpunkt des Projekts stehen die Menschen selbst. Ehemalige Wismut-Beschäftigte, ihre Familien, Angehörige, Mitglieder von Traditionsvereinen, Fans des FC Erzgebirge Aue sowie weitere Zeitzeuginnen und Zeitzeugen des gesellschaftlichen Wandels werden eingeladen, ihre Erfahrungen zu teilen. Dabei interessieren nicht nur historische Ereignisse, sondern vor allem die persönlichen Geschichten dahinter: Wie wurde der Bergbau erlebt? Welche Bedeutung hatte die Wismut für den Alltag und das Zusammenleben? Wie wurden die Umbrüche nach 1990 wahrgenommen? Welche Hoffnungen, Enttäuschungen und neuen Perspektiven prägten diese Zeit?
Das Projekt versteht Erinnerungen nicht als bloße Rückschau, sondern als Schlüssel zum Verständnis gesellschaftlicher Entwicklungen. In Erzählcafés, Zeitzeugeninterviews und aufsuchenden Gesprächsformaten werden Lebensgeschichten gesammelt und dokumentiert. Die Gespräche sollen sichtbar machen, wie Menschen Krisen und Veränderungen bewältigen, welche Vorstellungen von Gemeinschaft und Zusammenhalt sie entwickelt haben und welche Erzählungen bis heute das Selbstverständnis der Region prägen.
Zugleich richtet sich der Blick über das Erzgebirge hinaus. Durch Bildungsreisen und Begegnungen mit Menschen aus anderen ehemaligen Bergbauregionen, insbesondere im Ruhrgebiet, werden unterschiedliche Transformationserfahrungen miteinander in Beziehung gesetzt. Der Ost-West-Vergleich eröffnet die Möglichkeit, Gemeinsamkeiten und Unterschiede sichtbar zu machen: Welche Erfahrungen teilen Menschen, deren Lebenswelten durch den Strukturwandel erschüttert wurden? Welche Wege haben Regionen gefunden, mit Verlust, Wandel und Neuanfang umzugehen?
Die gesammelten Erinnerungen werden in unterschiedlichen Formaten aufbereitet und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. So entsteht ein lebendiges Archiv regionaler Erfahrungen, das historische Erinnerung, gesellschaftliche Forschung und öffentliche Debatte miteinander verbindet.
„Von Erzgebirgsstuben und Mundlöchern“ versteht sich damit als Projekt, das Zusammenhalt durch Teilhabe über geteilte Lebensgeschichte(n) schaffen möchte. Es bewahrt die Geschichten einer Region, macht unterschiedliche Perspektiven sichtbar und schafft Räume für Begegnung. Denn die Erfahrungen der Vergangenheit erzählen nicht nur davon, was war. Sie helfen auch dabei zu verstehen, wie Menschen mit Wandel umgehen – damals wie heute.
In Beutha, im Erzgebirge – geboren, aufgewachsen, verwurzelt. Meine Reise begann in diesem kleinen Dorf, und dort schlägt mein Herz bis heute. Nach Ausbildung und Abitur habe ich in der Nachwendezeit verschiedene Wege erkundet und mich orientiert. Meine berufliche Laufbahn führte mich durch ganz Europa, zuletzt als Teamleiter in einem Produktionsbetrieb. Seit Herbst 2025 bin ich Teil des Projekts „Von Erzgebirgsstuben und Mundlöchern“. Hier vereine ich meine tiefen Verwurzelungen im Erzgebirge mit meinem Interesse an junger Regionalgeschichte – hier kann ich Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpfen. Zusätzlich bin ich als Guide in einer Gedenkstätte aktiv und begleite die Durchführung kultureller Veranstaltungen. Im Ehrenamt engagiere ich mich kommunalpolitisch. In meiner Freizeit kümmere ich mich um Haus und Garten, lese, genieße Filme und Konzerte und entdecke Landschaften sowie Städte mit Rad, Bus oder Bahn.
Ihr habt Fragen oder Anliegen an Mirko? Mailt ihn gern an: mirko@resonanzraum-erzgebirge.de.
Ich stamme aus einer Arbeiter*innenfamilie im Erzgebirge, bin zum Studieren nach Chemnitz gezogen. Dort habe ich Wurzeln geschlagen und bin geblieben - auch nach dem Germanistik-Abschluss. Meine Neugierde kanalisierte ich in journalistische Bahnen, startete bei Radio T, schrieb für diverse Medien, volontierte und arbeitete als Redakteurin unter anderem für die Freie Presse. On top: Moderationen, Kulturveranstaltungsorga, Filmprojekte. Heute bin ich neben meiner Arbeit im Projekt, als Freie Journalistin mit den Schwerpunkten Kultur, Soziokultur und (Südwest)Sachsen für verschiedene Medien und Projekte unterwegs. Zuletzt arbeitete ich für den ASA-FF e.V und als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Chemnitz. Und sonst so? Das Übliche: Essen, Lesen, am Patriarchat sägen und den Kopf darüber zerbrechen, wie wir eigentlich (miteinander) Leben wollen und was uns davon abhält. Auch der Spagat zwischen Ost- und West(Deutschland) treibt mich um, ebenso die tiefen Gräben, die sich durch unsere Gesellschaft ziehen.
Ihr habt Fragen oder Anliegen an Sarah? Mailt sie gern an: sarah@resonanzraum-erzgebirge.de.
Als Designer mit abgeschlossenem Masterstudium liebt Christian es, über Stunden Regler in Grafikprogrammen zu schieben, bis der Farbton oder der Zeilenabstand stimmt. Bei „Von Erzgebirgsstuben und Mundlöchern“ ist er für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich und gestaltet Plakate und Posts auf Social Media. Jenseits davon ist er seit vielen Jahren in politischen und kulturellen Projekten in Chemnitz aktiv und macht in zwei Bands Musik. In seinem Ausweis steht Karl-Marx-Stadt als Geburtsort.
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